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Da Latein die Muttersprache der Römer war, ist sie ein Kommunikationsmittel, eine funktionierende - wenn auch nicht mehr gesprochene - Sprache. Doch worin besteht der Nutzen einer Sprache, in der sich keiner mehr unterhält, die aber deswegen nicht "tot" ist?
Latein ist die Sprache der Antike, des Mittelalters, der Kirche, der Gelehrtenwelt der Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert hinein. Sie ist die Basis für die den europäischen Völkern gemeinsame politische, religiöse und wissenschaftliche Vergangenheit. Doch interessiert das unsere Kinder?
Wer nur in seiner eigenen Zeit und deren Problemen lebt, versteht diese nur zum Teil. Der Lateinunterricht hilft dabei, eine derartig eingeschränkte Sicht zu vermeiden: In den Texten der römischen Autoren werden die Schüler/innen fremde und aktuelle Themen, historische Zusammenhänge und allgemeingültige Werte unserer Kultur entdecken. So werden sie durch die Arbeit an den Texten zum Verstehen und zur Toleranz ihrer Mitwelt gegenüber erzogen.
Diese Ziele sollen vor allem durch die Lektüre erreicht werden, die im Anschluss an die Lehrbuchphase - etwa ab Klasse 9 - gelesen wird.
Doch in ähnlicher Weise gelten sie auch für den Lateinanfänger. In seinem Lehrbuch wird er z. B. eine römische Familie in ihrem römischen Alltag begleiten: die Kinder gehen zur Schule, in einem Wohnblock unterhalten sich Nachbarn über ihren Alltag, in ihrer Freizeit besuchen Römer die Thermen, das Theater und den Zirkus. Die Schüler/innen merken, dass diese vergangene Zeit ihrer eigenen Erfahrungswelt nahe kommt, aber sie lernen gleichzeitig Fremdes hinzu und werden nach und nach damit vertraut.
Auch wenn der Inhalt der antiken Texte im Vordergrund des Interesses steht, die fremde Sprache zu erlernen ist natürlich nicht Nebensache; denn ohne Kenntnis der Grammatik und der Vokabeln ist es nicht möglich, Texte zu übersetzen und zu verstehen. Das Erlernen der grammatischen Strukturen, der Übersetzungstechniken und der unterschiedlichen Wiedergabemöglichkeiten im Deutschen erfordert Konzentration, Abstraktionsfähigkeit und Durchhaltewillen. Der Lateinunterricht erzieht daher zu logischem und problemlösendem Denken und schult das muttersprachliche Ausdrucksvermögen.
Diese Fähigkeiten sind für Schülerinnen und Schüler, die in eine Berufsausbildung gehen, und für Studenten und Studentinnen gleichermaßen unentbehrlich. Da Latein über 1000 Jahre die Sprache der Kirche, Wissenschaft und Politik war, ist das Latinum für zahlreiche Studienfächer Voraussetzung. Zu diesen Fächern gehören u. a. die romanischen Sprachen, Theologie, Philosophie und Geschichte. Hierbei werden mittlerweile in den verschiedenen Universitäten unterschiedliche Schwerpunkte im notwendigen Grad der vorausgesetzten Lateinkenntnisse gelegt. Wer ein Studium plant, sollte sich früh genug über die Anforderungen in seinem Studienfach informieren. Aktuelle Informationen hierüber sind – nach Universitäten und Studiengängen geordnet – unter www.altphilologenverband.de nachzulesen. Da die romanischen Sprachen (wie z.B. Französisch, Italienisch, Spanisch) aus dem Lateinischen hervorgegangen sind, erleichtern gute Lateinkenntnisse das Erlernen dieser Sprachen. Selbst das Englische führt mehr als die Hälfte seiner Wörter auf das Lateinische zurück. Auch unsere deutsche Sprache enthält zahlreiche Wörter lateinischen Ursprungs, wie z.B. Schule - schola, Tafel - tabula, schreiben - scribere. Vor allem aber sind Lateinkenntnisse hilfreich beim Verständnis von Fremdwörtern, die uns ständig begegnen - im Beruf ebenso wie im Fernsehen, im Radio oder in der Zeitung.
Konkrete Informationen zu Unterrichtsinhalten und -vorhaben erhalten Sie bei Aktivierung der folgenden Links
Lehrplan Sek. I, Klasse 6
Lehrplan Sek. I, Klassen 7 - 10
Latein-Rätsel vom Tag der Offenen Tür 2007 (mit Lösung)
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